Das Auge muss sich im Stadtteil Mehlem mit starken Kontrasten auseinandersetzen, das haben wir schon im ersten Teil erlebt. Im zweiten Teil beschäftigen wir uns mit weiteren Kuriositäten.
Möchtet ihr gerne den ersten Teil lesen, hier klicken.

Der Drachensteinpark

Wir beginnen an der Siegfriedstraße und bewegen uns weiter stromaufwärts, bis wir rechterhand einen großen Park mit einem Springbrunnen erreichen, durch den wir bis hoch zur Mainzer Straße laufen.
Der Drachensteinpark ist ein zwei Hektar großer Park zwischen der Villa Schnitzler und dem Rhein. Das Gelände war damals noch nicht unterbrochen durch die Mainzer Straße und die Nibelungenstraße.
Der private Park wurde im Jahre 1925 durch die Familie Schnitzler für die Öffentlichkeit freigegeben.
Etwas versteckt finden wir im Park acht ionische Säulenfragmente, die Viktor Schnitzler von einer Ägyptenreise Ende des 19. Jahrhunderts im Handgepäck mitbrachte.
Am Ende des Parks finden wir auf der Mainzer Straße die oben schon erwähnte Villa Schnitzler, ehemals Haus Drachenstein. Wusstet ihr, dass sie auf einem ehemaligen Weinberg stehen soll?

Am Glückshaus

In der Straße „Am Glückshaus“ steht eine spätklassizistische Villa mit einem Pförtnerhaus, das alleine schon für eine größere Familie reicht.
Vermutlich 1920 wurde diese Villa auf der anderen Rheinseite im Süden der Königswinterer Altstadt errichtet. Das Haus stand in den späten 1930er Jahren einem Großprojekt im Wege und sollte abgerissen werden.
Das passte der damaligen Besitzerin, der Witwe des Hagener Fabrikanten Emil Hoesch als auch dem Konservator der Rheinprovinz gar nicht.
Die Witwe durfte sich einen neuen Platz für ihr Anwesen aussuchen. Sie entschied sich für den jetzigen Standort, das Haus wurde Stein für Stein abgetragen und in Mehlem wiederaufgebaut.
Ich danke dem sehr freundlichen Besitzer des Hauses, der mich im Jahre 2024 in seinen Garten einließ um die Villa in ihrer ganzen Schönheit zu fotografieren.

Das Eiscafe

Im ortsansässigen Eiscafé lässt sich nicht nur eine gute Portion Eis genießen. Hier trifft sich zur wärmeren Jahreszeit das Dorf, es wird „verzällt“ was das Zeug hält.
Hier sind rheinische Töne noch normal: „Häste att jehührt, dä Willi litt em Krankehuus“. „Nää, nett wohr, watt hätter dann“. „Ich weess ett och nett jenau, me hührt ja nix jenaues“.
Meine Ohren erfreuen sich bei einem lecker Eis und einem Cappuccino der „Verzällchen“. So lässt es sich gut aushalten.

Der Mehlemer Bach

Mitten im Zentrum überqueren wir den Mehlemer Bach. Dieser fließt aus dem „Drachenfelser Ländchen“ durch Mehlem in den Rhein. Bis zur Mündung in den Rhein wechselt er sehr häufig seinen Namen. Linkerhand unserer Gehrichtung sehen wir ihn, eingezwängt in sein Betonbett noch fließen. Vergebens suchen wir ihn auf der gegenüberliegenden Seite.
Wie früher üblich wurde dem Bach sein Freiraum entzogen, er wurde kurzerhand unter die Erde verbannt. Zum Leidwesen der Bewohner*innen des Mehlemer Zentrums rächte er sich jedoch furchtbar für diese Einengung.
In den Jahren 2010, 2013 sowie im Juni 2016 überschwemmte er einen großen Teil des Stadtbereiches, da die Kapazität der unterirdischen Röhren nicht ausreichte. Im Jahre 2010 rutschte sogar ein großer Teil der Uferböschung zum Rhein hin ab, es entstand ein 30 mal 50 Meter großer Krater. Daraufhin ließ die Stadt Bonn einen Entlastungskanal bauen, der im Juli 2021 nach einem Starkregen seine Bewährungs-probe erfolgreich bestanden hat.

Die Villa Friede

Erbaut wurde die Villa Friede im Jahre 1896 und als Hotel ersten Ranges eröffnet. Im Jahre 1901 wurde ein großer Saal angebaut.
Von 1950 bis 1970 wurde die Villa als Kino und dann von Mehlemer Vereinen genutzt. Bis zum Verkauf im Jahre 2007 gehörte sie der Stadt Bonn, die es damals schon verstand, Gebäude verkommen zu lassen.
2007 wurde das marode Gebäude an den Künstler Ren Rong verkauft und von diesem bis 2014 aufwendig renoviert.
Entstanden ist ein neuer Ort für die Kunst, der Kunstraum Villa Friede. Herr Rong hat ein Händchen dafür, die Werke namhafter Künstler*innen auszustellen.

Am Ende

Wir steigen am Ende unserer Tour erschöpft in den Bus oder als Mehlemer gehen wir nach Hause.
In dem Wissen, noch lange nicht alles von Mehlem gesehen zu haben.

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