Bitte beachtet; dieser Bericht beruht auf Erfahrungen im Jahre 2023.
Hier im Norden wird fast der gesamte Strom für Albanien durch Wasserkraft hergestellt. Aus diesem Grunde besteht der Fluss Drin im Oberlauf aus mehreren aneinander gereihten Stauseen. Einer davon ist der Koman Stausee, auf dem Fähren Menschen als auch Fahrzeuge von Koman nach Fierza befördern, da es am See vorbei keine Straße gibt.

Die Anfahrt

Heute Morgen um 5 Uhr geht der Wecker. Dieses frühe Klingeln ist notwendig, damit die 9 Uhr Fähre am Koman See erreicht werden kann, denn es wird empfohlen, drei Stunden für die Anfahrt einzuplanen. Und 9 Uhr ist die einzige Abfahrtszeit des Tages.
Lasst Euch nicht von Google Maps irritieren, welches nur anderthalb Stunden Fahrzeit einkalkuliert.
Es geht tatsächlich kurz nach 6 Uhr in Shkodra los und die Zeitangabe des Navis meinte, dass wir schon um 7:50 Uhr in Koman eintreffen sollten. Was machen wir bloß mit der verbleibenden Zeit? Dann können wir ja noch einen Kaffee mit Frühstück in Koman trinken. So denken wir.
Die ersten 20 Kilometer geht es zügig auf guten Straßen voran. Doch dann wird die Straße immer schlechter. Erst durchwachsen von Schlaglöchern, aber immer noch geteert, später dann Schotterpisten mit tiefen Schlaglöchern, eher schon Krater.
Teilweise rutscht die Straße etwas den Hang hinab und es entstehen Vertiefungen von 20 cm, die nicht aufgeschüttet werden. Dann mal wieder mehrere 100 m auf asphaltierter Straße, um dann sehr plötzlich, am liebsten nach einer Kurve, wieder in einer Schotterpiste mit Schlaglöchern zu Enden. Die Ankunftszeit auf dem Navi verschiebt sich immer weiter nach hinten.
Schade, denn hier wartet eine sehr schöne Landschaft darauf, genossen zu werden. Die Konzentration auf die Straße verhindert den Genuss häufiger.

Das Einschiffen

Wir schaffen es dann tatsächlich in gut zwei Stunden 500 Meter vor unserem Zielort zu sein. Doch zwischen uns und der Fähre liegt noch ein Tunnel. Am Eingang des Tunnels zur Fähre werden wir angehalten und müssen davor auf der Straße parken und den Tunnel zu Fuß durchlaufen. Das Parken kostet 500 LEK bar auf die Kralle des Parkwächters. 
Wir laufen 500 m durch diesen Tunnel, und „Das Licht am Ende des Tunnels“ sind die beiden Fähren über den Koman See, die mit Fahrzeugen beladen werden. Bitte Rückwärts auf die Fähre fahren.
Links die Rozafa Ferry und Rechts die Berisha Ferry. In der Annahme, dass beide Fähren zu einer Reederei gehören, nimmt das Schicksal wieder einmal seinen Lauf.
Das erste Ticketbüro ist verlassen und sieht im Umbau befindlich aus. Also gehen wir in das zweite Ticketbüro, welches gleichzeitig eine Bar ist. Dort erwerben wir für zwei Personen und einen Hund ein Ticket für 50 €. Die Entscheidung der Bootswahl wird uns abgenommen, wir müssen das uns zugewiesene Schiff nutzen.
Zwei Börek (Teigtasche mit würziger Füllung) gehen auch noch auf die Schnelle, denn das mit dem richtigen Frühstück war nix.

Ausflugsboote

Die Fahrt

Pünktlich um 9 Uhr legt unsere Fähre ab, wenig später auch die offensichtlich zu einer anderen Gesellschaft gehörende Fähre. Schnell stellen wir fest, dass die andere Fähre erheblich schneller unterwegs ist.
Transportieren diese beiden Fähren Personen und Autos, gibt es ein weiteres Boot, die Dragobia, die nur Personen transportiert.
Diese habe ich Wasserbus genannt. Sie kann zwar nur auf dem Wasser fahren, den Namen gab ich ihr, weil einfach ein Busoberteil auf einen Bootsrahmen geschweißt wurde.
Die Fahrt über den See ist sehr eindrucksvoll. Umgeben von hohen Bergen fahren wir in angenehmer Einsamkeit über den See.
Leider ist auch auf diesem See das Müllproblem nicht zu übersehen. Der Müll belegt teilweise ganze Buchten.
Nach einer langen Fahrt erreichen wir um 12:15 Uhr den Ort Fierza. Eine Dreiviertelstunde Verspätung gegenüber der angegebenen Ankunftszeit von 11:30 Uhr!
Meine Frage, ob wir denn jetzt später ablegen würden, weil wir ja doch später angekommen seien, wird damit beantwortet: „Nein wir fahren um 13 Uhr an dieser Stelle wieder ab“. Nicht viel Zeit um den Hund auszuführen und das Bäuchlein etwas zu füllen, denn die einzige Nahrungsaufnahme an diesem Tag bestand bis dahin aus einem Börek. Irgendwie gelingt uns die Nahrungsaufnahme in ungesunder Weise mit Sandwich und Fritten, und knapp vor 13 Uhr legt die Fähre wieder ab Richtung Koman.
Nach einer wegen Rückenwinds etwas schnelleren Rückfahrt erreichen wir unser Ziel, die Anlegestelle am Koman Tunnel. Von dort aus treten wir die Rückfahrt an. Der Straßenzustand hat sich inzwischen leider nicht verändert.
Während der Rückfahrt kommen uns doch starke Bedenken darüber, ob diese
50 € für die Fähre nicht doch etwas zu überteuert gewesen wären. Eine Buchung übers Internet hätte für uns alle 30 € gekostet, stellen wir später fest. Wir haben 20 € mehr als nötig bezahlt.

Am Tagesende

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