Dem im Jahre 2016 frischgebackenen Rentner Jürgen bot sich die einmalige Gelegenheit, das Gefühl direkt übers Wasser zu gehen live zu erleben. Ermöglicht wurde dieses durch den „Verpackungskünstler“ Christo. Seine Floating Piers über den Iseo-See in der italienischen Lombardei ermöglichten dieses Abenteuer, da die schwimmenden Stege den Rhythmus des Wassers auf die Füße übertrugen.
Das Gespann
Im Juni flanschte ich mein betagtes Knübbelchen, einen ERIBA Wohnwagen an meinen ebenso betagten T3 VW Camper namens La Cocinelle an und begab mich auf die abenteuerliche Fahrt nach Italien.
Auf dem Brenner hätte mich jeder Traktor überholen können, wenn er auf die Autobahn gedurft hätte. Von jedem LKW wurde ich bedrängt, die durften dort nicht überholen. Verständlicherweise gefiel wenigen Fahrern mein Gespann.
Nachdem dieser Stress gemeistert war schlug ich irgendwann auf dem Campingplatz Venus am Idro See auf. Dank der „weltweiten elektronischen Vernetzung“ fand ich diesen gemütlichen Platz, nachdem ich feststellen musste, dass alle Plätze in der Nähe des Iseo Sees belegt waren. Im Nachhinein eine der besten Entscheidungen, denn der Platz war ruhig und gepflegt. Die Inhaberinnen sehr Nett.


Übers Wasser gehen
Nach einigen Touren in der Gegend des Idro Sees, auf die ich in späteren Beiträgen komme, ging es los zum Iseo See. Das hatte ich nicht gekannt, ein nicht zu beschreibendes Verkehrsaufkommen rund um den Ort des Events namens Sulzano.
Der zugewiesene Parkplatz mit einer Parkgebühr von 20 € wurde mit dem Eingang der Floating Piers durch einen Shuttle Bus für 5,50 € verbunden. Die Schlange vor dem Bus war so riesig, dass ich nach einer Frage nach der Strecke die zwei Kilometer zu Fuß ging. Übrigens, es war richtig heiß!
Vor dem Eingang eine nur in Bildern zu beschreibende Menschenmasse. Gottseidank befand sich in meinem Rucksack eine 1,5 Literflasche Mineralwasser. Netterweise löschte die Feuerwehr die sehr erhitzen Körper der Menschen mit kühlem Nass. So löscht die Feuerwehr nicht jeden Tag. Später war zu erfahren, dass ungefähr 1,3 Millionen Besuchende diesem Event ihre Aufwartung machten.
Mich in diese Menschenmasse zu stellen wollte ich nicht mitmachen, so entschied ich mich für den entgegengesetzten Weg. Erst einmal mit der Fähre auf die Insel Monte Isola und über die Floating Piers zurück.
Die Beschreibung, dass die schwimmenden Stege den Rhythmus des Wassers und des Wellengangs auf die Füße übertragen würden, war zutreffend. Allerdings war das Projekt „Direktübertragung des Gefühls auf die Füße“ durch die sehr heißen, mit Stoff bespannten Schwimmkörper schnell beendet. Vor der Blasenbildung an den Füßen schützte ich diese lieber mit meinen Birkenstocks. Es ist erst einmal ein unsicheres Gefühl, sich auf den schwankenden Planken zu bewegen. Immer schön in der Mitte gehen, der Ruf des Wassers lockt sonst ins kühle Nass.






Am Tagesende
Trotz der beschwerlichen Anfahrt und der stolzen Entlohnung für die Dienstleistungen war es ein einmaliges Erlebnis, das die Mühen und Strapazen lohnte. Schade, dass die Planken zu heiß waren, um das Gefühl direkt auf die Füße zu übertragen.
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